Das Lesezeichen wurde erfolgreich angelegt

Dokumente, für die Sie Lesezeichen angelegt haben, können Sie über die Lesezeichen-Verwaltung unter Mein Rechtsportal im rechten oberen Seitenbereich schnell wieder aufrufen.

Fenster schließen

 

BVerwG, Beschluss vom 03.01.2005 - Aktenzeichen 2 B 46.04

DRsp Nr. 2005/2329

Gründe:

Die auf § 132 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 3 VwGO gestützte Beschwerde ist unbegründet. Der Sache kommt weder grundsätzliche Bedeutung zu, noch beruht die angegriffene Entscheidung auf einem der geltend gemachten Verfahrensfehler.

1. Die Beschwerde bezeichnet die Frage als klärungsbedürftig, wie die das Nutzungsentgelt regelnden Bestimmungen des Beamtenrechts zu interpretieren und mit welcher Präzision sie im Hinblick auf das Äquivalenzprinzip seitens des Dienstherrn auszufüllen seien.

Die Frage ist weder klärungsfähig noch klärungsbedürftig. Sie zielt letztlich auf die Festlegung allgemein verbindlicher Regelungen, die in dieser Form dem Gesetz- oder dem Verordnungsgeber vorbehalten sind. Demgegenüber erschöpft sich die Aufgabe der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte darin, im Einzelfall nachzuprüfen, ob konkrete Bescheide eine gesetzliche Grundlage finden und ob diese Grundlage gegebenenfalls mit höherrangigem Recht - insbesondere mit Verfassungsrecht - vereinbar ist.

Der Beschwerde ist nicht zu entnehmen, welche konkrete Frage des anzuwendenden Beamtenrechts noch nicht geklärt ist oder einer erneuten höchstrichterlichen Klärung bedarf. Die allgemeinen Grundsätze, die sich aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts ableiten lassen, sind in der Beschwerde zutreffend referiert, ohne dass dabei ein erneuter Klärungsbedarf hervortritt; er liegt insbesondere nicht darin, dass das Berufungsgericht von diesen Grundsätzen abgewichen sein könnte. Das Berufungsgericht hat auch nicht den nach Auffassung der Beschwerde überprüfungsbedürftigen Rechtssatz aufgestellt, der Dienstherr habe bei der Festlegung des Nutzungsentgelts freie Hand. Es hat vielmehr unter Beachtung der Rechtsprechung des Senats die vom Kläger verlangte Kostenerstattung für angemessen erachtet, ohne auf einen derartigen Rechtssatz zurückzugreifen.

Das Berufungsgericht hat die Darlegung eines Wahrscheinlichkeitsmaßstabes für die Pauschalierung des Nutzungsentgelts gebilligt. Der Beschwerde mag zuzugeben sein, dass die Begründung, auf die das Berufungsgericht mit seinem Hinweis auf eine Senatsentscheidung aus dem Jahre 1974 zurückgreift und die auf einen unvertretbaren Aufwand einer exakten Ertragsrechnung nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen verweist, bei Anwendung der heute möglichen elektronischen Erfassungs- und Berechnungsmethoden an Evidenz verloren hat. Dass dies jedoch das bisher in ständiger Rechtsprechung angenommene Recht des Dienstherrn, bei der Bemessung des Nutzungsentgelts zu pauschalisieren und dabei von Wahrscheinlichkeitsannahmen auszugehen, mit der Folge erneuten Klärungsbedarfs in Frage stellen würde, lässt sich der Beschwerde nicht entnehmen und ist auch unabhängig hiervon nicht ersichtlich.

Mit ihren weiteren Ausführungen zur Wahrung des Halbteilungsgrundsatzes und des Äquivalenzprinzips wendet sich die Beschwerde gegen einzelne Begründungselemente des angegriffenen Urteils, ohne dass hierbei eine grundsätzlich klärungsbedürftige Frage hervortritt.

2. Auch der geltend gemachte Verfahrensmangel - Verletzung der Aufklärungspflicht - liegt nicht vor.

Die Beschwerde beanstandet, das Berufungsgericht habe ohne eigene Sachkunde angenommen, der "Risikounternehmerlohn" könne bis zu fast 50 % des Arbeitsergebnisses betragen. In Wahrheit sei allenfalls ein Zehntel dieses Satzes (also 5 %) angemessen, wofür der Kläger in den Vorinstanzen Beweis durch Einholung eines Sachverständigengutachtens angeboten habe.

Das Berufungsgericht hat keineswegs angenommen, der "Risikounternehmerlohn" könne bis zu fast 50 % des Arbeitsergebnisses betragen. Es hat vielmehr den bei der Berechnung des Vorteilsausgleichs angewandten Satz von 20 % der bereinigten Bruttoeinkünfte als angemessen angesehen und zur Begründung darauf hingewiesen, dass bei einer Vergleichsberechnung der Vorteilsausgleich in Höhe von insgesamt 276 652,06 DM zuzüglich des auf eigene Leistungen des Klägers entfallenden Teils der Abgaben an den Mitarbeiterfonds, insgesamt 361 328,52 DM "weit unter 50 %" des zu Grunde zu legenden Bruttoeinkommens aus Eigenleistung in Höhe von 973 815,38 DM liege. Nach der für die Beurteilung einer Aufklärungsrüge maßgeblichen materiell-rechtlichen Auffassung des Berufungsgerichts war mit der bloßen Abdeckung aller durch den Abzugsbetrag nach § 6a GOÄ und die Kostenerstattung nach § 24 Abs. 2 BPflV erfassten laufenden und investiven Kosten der dem Kläger aus seiner Stellung als beamteter Chefarzt mit der Befugnis zur Privatliquidation erwachsende Vorteil nicht vollständig abgedeckt. Warum das so sei, hat das Berufungsgericht plausibel dargelegt. Letztlich zielt das Beschwerdevorbringen in der Form der Aufklärungsrüge wieder auf die bereits zuvor erörterte Frage, in welchen Grenzen der Dienstherr berechtigt ist zu pauschalisieren und von Wahrscheinlichkeitsannahmen auszugehen. Dass das Berufungsgericht dem abweichenden methodischen Ansatz des Klägers nicht gefolgt ist, ist eine Frage des materiellen Rechts und nicht der dem Gericht gemäß § 86 Abs. 2 VwGO auferlegten Pflicht zur Aufklärung des entscheidungserheblichen Sachverhalts.

3. Mit seinem weiteren Beschwerdevorbringen wendet sich der Kläger der Sache nach dagegen, dass das Berufungsgericht seinen Berichtigungsantrag vom 3. März 2004 abgelehnt hat.

Eine Unrichtigkeit tatsächlicher Feststellungen des Urteils ist kein Verfahrensmangel; sie kann gemäß § 119 VwGO nur mittels eines fristgebundenen Antrags auf Berichtigung geltend gemacht werden (vgl. Beschluss vom 7. Juni 1989 - BVerwG 2 B 70.89 - Buchholz 310 § 119 VwGO Nr. 5 S. 2 m.w.N.). Das gilt unabhängig davon, ob sich die unrichtige oder unvollständige Tatsachenfeststellung im Tatbestand oder in den Entscheidungsgründen des Urteils befindet (vgl. Urteil vom 16. Oktober 1984 - BVerwG 9 C 67.83 - Buchholz 310 § 117 VwGO Nr. 25 S. 14 und Urteil vom 21. September 2000 - BVerwG 2 C 5.99 - Buchholz 237.1 Art. 86 BayLBG Nr. 10).

Es kann offen bleiben, ob in der unrichtigen Behandlung eines Berichtigungsantrags ein mit der Verfahrensrüge geltend zu machender Verfahrensfehler liegt. Jedenfalls greift die Rüge nicht durch: Ob der "Wert der bundesrechtlichen Kostenerstattung nach § 24 Abs. 2 BPflV " als "Einnahmebestandteile, die nicht auf eigenen in der Nebentätigkeit erbrachten Leistungen des Klägers beruhen", abgezogen werden kann, ist eine Rechtsfrage und keine Tatsachenfrage. Sie kann nicht streitig oder unstreitig, sondern allenfalls umstritten oder unumstritten sein. Es ist nichts dafür ersichtlich, dass das Berufungsgericht die materielle Prüfung der Berechtigung dieses Abzuges etwa im Hinblick darauf unterlassen hätte, dass der Wert "unstreitig" gewesen wäre. Selbst wenn also die Wendung "was unstreitig ist" in diesem Zusammenhang missverständlich sein sollte, so beruht das angegriffene Urteil hierauf jedenfalls nicht.

Ähnliches gilt von der Rüge, das Berufungsgericht habe sich in einen Gegensatz zum Vortrag des Klägers gesetzt durch den Satz "Bei der Vergleichsbetrachtung nach dem Äquivalenzprinzip sind allerdings entsprechend der Auffassung des Klägers nur diejenigen Bestandteile des Bruttoeinkommens ... zu berücksichtigen ...". Ob dies zutrifft, bedarf keiner Entscheidung. Ersichtlich ist die Argumentation des Berufungsgerichts unabhängig davon, ob der Kläger dessen Auffassung teilt oder nicht; es ist nicht erkennbar, dass die angegriffene Entscheidung hierauf beruht.

4. Die Nebenentscheidungen beruhen auf § 154 Abs. 2 VwGO und auf § 13 Abs. 2 GKG a.F., § 72 GKG n.F.

Vorinstanz: VGH Hessen, vom 11.02.2004 - Vorinstanzaktenzeichen 1 UE 375/03
TOP

BVerwG - Beschluss vom 03.01.2005 (2 B 46.04) - DRsp Nr. 2005/2329

2005